Liebe Gemeinde,
Früher wurde im Advent sogar gefastet, der Stollen war ein Fastengebäck und durfte früher nicht mit Butter gebacken werden, da Fett in der Fastenzeit verboten war. Vorbereitung also, ein neuer Anfang, unser Herz als eine Tür, die sich für Gott langsam öffnet. Der Predigttext redet heute von einer solchen Tür, die verschlossen war, doch nun geöffnet ist, ein Vorhang, der beiseite geschoben ist und uns Glaubenden Zugang zum Heiligen schenkt. Im Hebräerbrief heißt es im 10. Kapitel:
In gewisser Weise ist das ja auch die Situation unserer Gemeinden, die immer kleiner werden. Und es ist wie in unseren Tagen, dass die Hoffnung darauf, dass die Welt und das Leben einen höheren Sinn und eine höhere Weihe hat, aus vielen Herzen verschwunden ist. Aber es gibt viele kleine Details in diesen ernsten und mahnenden Worten, die etwas mit unserem Warten und unserer Vorfreude im Advent zu tun haben.
Jesus hat den Vorhang beiseite gezogen, der uns den Blick auf Gott verdeckt hat. Wenn hier von einem Vorhang die Rede ist, so meint der Schreiber den Vorhang, der das Allerheiligste im Tempel zu Jerusalem verdeckt hat. Der Vorhang, der die Menschen von Gott trennte. Nur an einem Tag im Jahr, dem höchsten aller jüdischen Tage, dem Jom Kippur, durfte der Hohepriester diesen Raum betreten. Doch vorher musste er sich reinigen und vorbereiten. Die Menschen wussten zwar, dass Gott nicht auf einen dunklen Raum beschränkt ist, doch war dies der Heiligste und damit auch verbotenste Ort im ganzen Land. Der Vorhang war ein Symbol dafür, dass das Menschliche und das Göttliche zweierlei Dinge waren.
Es wird zu Karfreitag immer gelesen, dass der Vorhang des Tempels in zwei Teile gerissen sei, als Jesus am Kreuz verstarb, als Gott selbst die tiefste Not des Menschlichen in einem qualvollen Tod durchschritt. Gott ist seither nicht mehr festgelegt und verdeckt, er ist Mensch geworden. Das Allerheiligste ist nun durch diesen Jesus für alle offen, die danach verlangen. Gottes Wesen ist nun offen für uns. Das ist es, was wir an jedem Tag des Kirchenjahres begehen, das Wunder, dass wir zu Gott gehören dürfen, die Hoffnung, dass nichts uns von diesem Gott trennen kann, wenn wir ihm vertrauen. Wir feiern, dass Gott uns begegnen will und wir ihm entgegen gehen.
Ein zweites adventliches Motiv kommt in den Blick. Wie sollen wir uns dem Heiligen nahen, wie uns vorbereiten? Mit wahrhaftigem Herzen, mit vollkommenem Glauben, mit besprengten Herzen und losgelöst von dem bösen Gewissen, das uns quält. Dazu müssen wir uns auf den Weg machen, liebe Gemeinde, dazu müssen wir neu anfangen und uns innerlich bereit machen für Gottes Kommen zu uns. Vielleicht zünden wir deshalb besonders zur Adventszeit so gerne Kerzen an. Nicht nur weil es in den dunkler werdenden Tagen bis zur Weihnacht Licht und Wärme schenkt. Die Flamme der Kerze ist ein Hingucker. Nehmen sie sich die Zeit einmal länger in den Schein einer Kerze zu schauen – es ist wie eine Mediation, ein Gebet. Wir kommen zur Ruhe, erinnern uns an die ersten Erlebnisse, die wir mit dem Schein solcher Adventskerzen verbinden, gehen einen inneren Weg. Wir spüren etwas von der Kraft und dem Licht des Feuers und werden besinnlich, nachdenklich. Was hat mich bis hierher geführt, was ist wichtig für mich und meine Familie, für mein Leben. In solch einem Kerzenlicht sieht die Welt anders aus, die Welt bekommt einen anderen Glanz.
Diese Besinnlichkeit ist es, die unsere Herzen für das kommende Licht Gottes öffnen kann. Dieses Licht will uns begleiten im Leben, es will uns erleuchten und unser Leben hell und klar werden lassen.
Vielleicht vergessen wir es zu oft, diese innere Besinnung, dieses Loslassen von der Welt und Sicheinlassen auf Gott. Auch wenn es nur ein kleiner Moment ist, so werden wir neu daraus hervorgehen, dem Himmel ein Stückchen näher.
Unser Predigttext ermahnt, festzuhalten an dieser Hoffnung, die Gott uns schenkt. Es kann heißen, dass wir nicht im Alltag den Blick für das Wesentliche verlieren, dass uns die Hoffnung und der Glaube wie etwas unter vielen Dingen wird, die uns wichtig sind. Festhalten an der Hoffnung, nicht an der offenen Tür vorbeigehen, das geht nur mit der großen Zusage, die wir im Hebräerbrief hören: Gott ist treu. Die Hoffnung wird nicht ins Leere gehen, sondern der uns den Weg gebahnt hat, der wird ihn auch zum Ziel führen. Diese Zusage kann man nicht oft genug sagen: Gott ist treu.
Wenn wir heute auch in eine neue Amtszeit in der Gemeindeleitung gehen, so möge dieses Wort über allem stehen, was wir für diese Gemeinde arbeiten und bewegen wollen. Gott ist treu, haltet fest an der Hoffnung, denn Gott wird es zum Ziel führen. Das ist ein Wort, dass uns Mut machen will. Gott wird da sein und mit uns gehen auch wenn manche Entwicklungen und Ereignisse dieser Hoffnung entgegen stehen. Das alles darf uns nicht verunsichern, liebe Gemeinde! Denn wir warten auf Gott aller Widrigkeiten zum Trotz. Er wird uns nicht enttäuschen, denn er ist treu!