Mittwoch, 2. Januar 2008

Predigt zum 2. Advent am 9.12.2007 in Hörselgau - Off 3, 7-13


Liebe Gemeinde,

es ist ein freudiger Tag für unsere Gemeinde hier in Hörselgau. Der Gemeindesaal ist wieder nutzbar. Wie ein bisschen Farbe einen Raum verändern kann! Das wir hier zusammen sitzen verdanken wir Ihrer Unterstützung. Unser Kirchgeld in diesem Jahr ist extra für diesen Zweck gesammelt worden – und es hat tatsächlich gereicht. Es hat sich in jedem Fall gelohnt und ich hoffe, die Gemeinde nimmt diesen Saal freudig in Besitz und wird gute und aufbauende Erlebnisse mit diesem Raum machen. Es ist sicher nur ein kleiner Schritt nach vorn, aber jeder kleine Schritt bringt uns voran. Manchmal erfahren wir auch, dass unsere Kraft nur klein ist und wir keine Berge versetzen können. Auch unsere Gemeinde wird kleiner und es gibt sicher nicht wenige unter uns, die sich Sorgen machen darüber. Was kann man alles besser machen? Was wäre, wenn mehr Geld da wäre? Wir sind Wartende oft in unserem Leben, weil nicht immer alles sofort geht, weil nicht immer alles so wird, wie wir uns das vorstellen. Das Warten gehört auch zum Advent. Wir Christen sind Wartende. Wir warten nicht nur auf Weihnachten, das unterscheidet uns nicht von anderen. Auf Weihnachten warten viele. Wir warten auf die Erlösung der Welt, auf das Kommen des Herrn. Jeder kleine Schritt, den wir gehen im Leben ist schon überstrahlt von diesem Schimmer der Hoffnung, unsere Wege haben eine Richtung, denn wir wissen, diese Welt ist noch nicht so, wie Gott sie haben will. Die große Erlösung, das Heil für alle steht noch aus. Wir warten und leben auf Hoffnung hin. Das ist nicht jedermanns Sache – das Warten. Wer wartet schon gerne beim Arzt, auf der Zulassungsstelle oder beim Arbeitsamt? Unser Warten ist da etwas anderes, unser Warten macht nicht träge. Wie Gott der ganzen Schöpfung Erlösung und Erneuerung verheißt, so schenkt er Erlösung und Erneuerung schon hier und jetzt, wenn er zu unseren Herzen spricht durch sein lebendiges Wort. Sicher – das Reich Gottes ist in Hörselgau noch nicht angebrochen, aber in vielen vielen Herzen unserer Gemeinde ist es schon da.

Schon die ersten Gemeinden der Christenheit mussten um ihr Bestehen kämpfen. In der Offenbarung des Johannes, dem letzten Buch der Bibel, finden wir sieben Sendschreiben an sieben Gemeinden in Kleinasien. Alle diese Gemeinden gibt es heute nicht mehr – der Islam hat das Christentum in der heutigen Türkei verdrängt – auch die alten Städte mussten neuen weichen. Doch diese Sendschreiben können wir auch als Sendschreiben an uns verstehen, denn es sind ähnliche Probleme und Situationen, wie wir sie auch haben. Sieben Gemeinden – die Zahl sieben ist die Zahl der Vollständigkeit. Was der Visionär Johannes hört und schreibt, ist an die ganze Kirche gerichtet, damals wie heute. Die kleine und schwache Gemeinde in Philadelphia kommt gut weg bei der Einschätzung durch Gott. Wir lesen im 3. Kapitel der Offenbarung (Off 3, 7-13):

„Und dem Engel der Gemeinde in Philadelphia schreibe: Das sagt der Heilige, der Wahrhaftige, der da hat den Schlüssel Davids, der auftut, und niemand schließt zu, der zuschleißt und niemand tut auf: Ich kenne deine Werke. Siehe ich habe vor dir eine Tür aufgetan, und niemand kann sie zuschließen. Denn du hast eine kleine Kraft und hast mein Wort bewahrt und hast meinen Namen nicht verleugnet. Siehe, ich werde schicken einige aus der Synagoge des Satans, die sagen, sie seien Juden und sind es nicht, sondern lügen; siehe, ich will sie dazu bringen, dass sie kommen sollen und zu deinen Füßen niederfallen und erkennen, dass ich dich geliebt habe. Weil du mein Wort von der geduld bewahrt hast, will auch ich dich bewahren vor der Stunde der Versuchung, die kommen wird über den ganzen Weltkreis, zu versuchen, die auf der Erde wohnen. Siehe, ich komme bald. Halte, was du hast, dass niemand deine Krone nehme!

Wer überwindet, den will ich machen zum Pfeiler in dem Tempel meines Gottes, und er soll nicht mehr hinausgehen, und ich will auf ihn schreiben den Namen meines Gottes und den Namen des neuen Jerusalem, der Stadt meines Gottes, die vom Himmel herniederkommt und meinen Namen, den neuen. Wer Ohren hat, der höre, was der Geist der Gemeinde sagt!“

Wort des lebendigen Gottes. Liebe Gemeinde, wer Ohren hat, der höre, was der Geist der Gemeinde sagt! Halte, was du hast, damit niemand dir deine Krone nehme! Es sind viele verheißungsvolle Dinge, die uns heute zugesagt werden, uns der Gemeinde, die ebenso klein in ihrer Kraft ist wie Philadelphia. Gott hat die Tür für euch geöffnet. Niemand ist in der Lage, sie vor euch zu verschließen, denn was Gott auftut, schließt niemand zu, was er verschließt, schließt niemand auf. Ich sagte es schon am Anfang – wir Christen sind Wartende. Beharrlich halten wir daran fest, dass es mehr gibt, als wir sehen können. Beharrlich vertrauen wir nicht nur unserer eigenen Kraft, sondern setzen unserer Hoffnung einen größeren und weiteren Horizont als andere. In Geduld warten, dabei bleiben, die Spannung aufrecht erhalten, das üben schon unsere Kinder, wenn sie den Adventskalender jeden Tag öffnen. Sie üben sich in Geduld – denn das nächste Türchen gibt es erst am kommenden Tag. So versüßen wir uns das Warten auf Gott, auf Weihnachten. Doch kommt zu Weihnachten wirklich Gott in jedes Herz? Es ist doch eher so, dass wir auch an Weihnachten wie an jedem Tag Wartende bleiben. So ist der Zustand des geduldigen Wartens das eigentliche Leben. So ist eigentlich jeder Tag Advent – Warten auf die Ankunft des Herrn. Ein Philosoph sagte einmal: Das Schwerste für einen Menschen ist eine Hoffnung, die sich nicht erfüllt. Das wird jeder von uns einsehen. Doch der kluge Mann sagte noch einen zweiten Satz dazu: Das Schwerste für einen Menschen ist eine Hoffnung, die bereits erfüllt ist. In diesem Leben ohne Hoffnung leben, das scheint uns unmöglich. Unsere christliche Hoffnung ist sehr hoch angesetzt. Vielleicht schwindet uns deshalb manchmal die Kraft an der Hoffnung festzuhalten und doch brauchen wir die Hoffnung, weil sie uns trägt und weiter leben und hoffen lässt. So sind diese beiden Extreme, der nicht erfüllten und schon erfüllten Hoffnung eben die Spannung, in der wir stehen. Das macht eigentlich das Menschsein aus – die Gottebenbildlichkeit, die schon da ist, doch erst im Kommenden zur ganzen Vollendung und Erfüllung gebracht wird. Die Botschaft heute ist: Haltet fest, was ihr habt. Haltet an eurer Hoffnung und eurem Glauben fest! Auch wenn das Warten manchmal schwer fällt. Auch wenn viele uns belächeln. Der Heilige und Wahrhaftige hält die Tür bereits offen für uns und die Spötter werden einst kommen und feststellen, dass wir die Geliebten Gottes sind und nicht sie. Haltet fest in Geduld, trotz eurer kleinen Kraft. Denn ihr tragt jetzt schon die Krone des gottwohlgefälligen Lebens. Sehr zu, dass niemand sie euch entreißt! Nicht die Heilsversprechen anderer, nicht der eigene Zweifel, nicht der Konsum und das Geld, nicht der Nachbar, der ohne Hoffnung ist. Niemand darf euch die Krone wegnehmen.

Was bedeuten diese Umschreibungen nun konkret. Für Hörselgau wie für die anderen Gemeinden in Mitteldeutschland geht eine neue Amtsperiode los der Gemeindeleitung. Und sicher haben unsere Gemeinden einmal bessere Zeiten gesehen. Doch, was soll´s, frage ich. Denn wir sind jetzt dran mit unserer kleinen Kraft. Gemeinde und Kirche, das sind wir alle, jeder einzelne, der die Hoffnung in seinem Herzen trägt. Gott will, dass wir festhalten an ihm und seiner Wirklichkeit. Und gerade die Bedrängnis erfordert Geduld. Gott wird die Treue reichlich belohnen. Die Krone schmückt uns bereits, das Reich liegt noch vor uns. Wir werden wie Pfeiler sein im Tempel Gottes. Einen Pfeiler kann man nicht ohne weiteres herausnehmen, wir sind wichtig für Gott. Er braucht uns für seine neue Welt, auch wenn unsere Kraft klein scheint. Mögen wir festhalten am Glauben, dem kostbaren Schatz, der uns geschenkt wurde. Mögen wir nicht müde werden in der Erwartung der kommenden Erlösung. Geduld und Kraft schenke Gott uns allen. Amen.